"Der Fürsorger" (CH / LUX / D 2009, 96 min., 1:1.85, DolbySR)

Welturaufführung

 

5. Zurich Film Festival

Mittwoch, 30. September 2009, 21.00 Uhr

Kinostart CH Offizielle Website

10. Dezember 2009


Synopsis

 

Der Fürsorger Hans-Peter Stalder kennt den Geheimcode zum Glück: eine Geldvermehrungsstrategie, die handverlesenen Anlegern schier unglaubliche Gewinne verspricht, und ein sorgenfreies Leben in Saus und Braus. Seine Geschichte hat nur einen Haken. Sie ist erstunken und erlogen und profitieren tut nur einer: Stalder.

Dreizehn Jahre lang hält der notorische Hochstapler und Schürzenjäger seine naiven Opfer und die Behörden zum Narren, erschwindelt sich Millionen und erobert Frauenherzen im Sturm. Erst als eine Lappalie ihn zu Fall bringt, ist die Zeit für eine umfangreiche Lebensbeichte gekommen.

Doch je intimer die preisgegebenen Details, um so schillernder die Figur. Hinter der Maske des ehrbaren Bürgers Hans-Peter Stalder treten mehr und mehr Personen zutage: der skrupellose Betrüger, der liebeshungrige Weiberheld, der reuige Familienvater... Nichts ist, wie es scheint. Aber alles ist wahr. Fast alles.

Team

Buch: Lutz Konermann, Felix Benesch
Regie: Lutz Konermann
1. Regieassistenz: Florian Engelhardt
2. Regieassistenz: Roger Schweizer
3. Regieassistenz: Natalina Zainal
Script/Continuity: Fabienne Helfer
Casting: Corinna Glaus
Casting LUX: Katja Wolf
Kamera: Sten Mende
Kameraassistenz: Ansgar Krajewski
Oberbeleuchter: Peter Demmer, Sven Meyer
Ton: Laurent Barbey
Tonassistenz: Vincent Kappeler
Tonschnitt: Ralph Popov
Mischung: Alexander Weuffen
Schnitt: Thierry Faber
Szenenbild: Heidi Lüdi
Ausstatter: François Dickes
Aussenrequisite: Thérèse Traber
Kostümbild: Isabelle Dickes
Maske: Beatrice Stefany
Musik: Anselme Pau
Aufnahmeltg.: Regula Begert
Aufnahmeltg. LUX: Christian Pannrucker
Produktionsltg.: Sina Schlatter
Produktionsltg. LUX: Sebastien Tasch
Co-Produzenten LUX: Paul Thiltges, David Grumbach
Co-Produzentin D: Anita Elsani
Produzent: Rolf Schmid
Produktion: FAMA Film AG, Zürich

 

Cast

Hans-Peter Stalder: Roeland Wiesnekker
Orsina Rocchi: Katharina Wackernagel
Gerda: Johanna Bantzer
Beatrice: Claude de Demo
Ines: Andrea Guyer
Aschwanden: Thierry van Werveke
Hauptwachtmeister Gerber: Michael Neuenschwander
Giorgio: Leonardo Nigro
Ernst Wenger: Manfred Liechti
Erika Wenger: Fabienne Hadorn
Conny (20-jährig): Marie Jung

und in der Reihenfolge ihres Auftretens:

Tellerartist: Matthias Rittgen
Conny (12-jährig): Rebecca Meier
Wachtmeister Baumann: Kamil Krejci
Weinhändler Grosspeter: Andreas Matti
Sporthändler Van Dook: André Jung
Metzger Storrer: Andreas Beutler
Architekt Mathis: Hans Ruchti
Fräulein Suter: Regula Imboden
Wachbeamter Sträuli: Markus Merz
Familienvater: Dani Mangisch
Familienmutter: Kerstin Stroeher
Kioskverkäuferin: Alice Brüngger
Mario Rocchi (4-jährig): Luca Carella
Tante Marie: Manuela Biedermann
Conny (4-jährig): Chloé Verzin
Wachtmeister Beck: Peter Hottinger
Gemeindepräsident: Renato Grünig
Frau Gemeindepräsident: Brigitte Wolff
Immobilienmakler: Peter Fischli
Junkie Robert: Markus Gerber
Ines' Mutter: Lilian Naef
Ines' Vater: Jaap Achterberg
Onkel Christian: Martin Hug
Kantonspolizist 1: Pitt Pirrotte
Kantonspolizist 2: Roger Schweizer
Giorgios Mutter: Thérèse Jankowski
Angela (1-jährig): Murielle Rechsteiner
Herr Koller: Matthias Fankhauser
Mario Rocchi (8-jährig): Elia Carella
Hebamme: Nicole Max
Angela (neugeboren): Sara Brancatelli
Gerichtszeichner: Nilton Martins
Richter: Daniel Ludwig
Gefängnisgeistlicher: Daniel Plier
Angela (4-jährig): Anastasia Feltgen
Bernhardiner Mani: Pumpkin

 

"Was mich von vornherein an diesem Stoff fasziniert hat, ist seine Authentizität - in vielerlei Hinsicht. Zum einen stützt er sich in allen wesentlichen Details auf die Knastbiografie einer realen Figur, auf die des Millionenbetrügers Hans-Peter Streit, der in den Siebziger und Achtziger Jahren sein Unwesen getrieben hat. Sein komplexer, widersprüchlicher Charakter, seine Zerrissenheit zwischen tiefer Reue und dem Bedürfnis, Verständnis für sich und sein Tun zu wecken, haben mich angespornt, ihm in Buch und Bild gerecht zu werden und seine Geschichte so wahrhaftig wie möglich zu erzählen. Die Geschichte eines talentierten Gefallsüchtigen, der um jeden Preis mehr sein will, als er ist und dabei immer ein bisschen bleibt, was er war: Ein grosses Kind auf der Suche nach Liebe und Anerkennung.

Zum anderen ist "Der Fürsorger" eine Realsatire. Verrückt, aber wahr. Eine Posse aus der Schweizer Provinz über die Blindheit der Menschen im Angesicht des grossen Geldes, über Obrigkeitsgläubigkeit und den Zorn der Kleinen auf die Grossen. Eine rührende Liebesgeschichte auch, in der sich eine aufrichtige Frau in einen notorischen Betrüger verliebt, und dieser es wider Erwarten ehrlicher mit ihr meint als jeder Mann zuvor. Es sind diese persönlichen, zeitlosen Aspekte, die für mich die Seele des Stoffs ausmachen.

Dass der Film durch die jüngste Generation von Hazardeuren und Finanzjongleuren darüber hinaus an thematischer Aktualität gewonnen hat, scheint auf den ersten Blick zwar überraschend, ist aber nicht weiter verwunderlich: Die Madoffs, Ponzis, Behrings, Streits und wie sie auch alle heissen mögen - es gab sie schon immer und es wird sie auch in Zukunft weiterhin geben. Zumindest so lange, wie sich naive und gierige Anleger finden lassen. Mit anderen Worten: Ewig."

 

Lutz Konermann

 

 

Pressestimmen

 

 

Das Zurich Film Festival hat im deutschsprachigen Wettbewerb einen Film präsentiert, der vor über fünf Jahren konzipiert wurde und in einer noch viel weiter zurückliegenden Zeit, den 70er- Jahren, spielt - hochaktuell ist er trotzdem.

Im Zentrum von «Der Fürsorger» steht ein Abzocker. Hans-Peter Stalder (Roeland Wiesnekker) kommt in Lutz Konermanns gelungener Tragikomödie allerdings nicht schlecht weg. Er tritt als sympathischer Schwindler in Erscheinung, der weniger an persönliche Bereicherung denkt als an das Wohl seiner Lieben - insbesondere seiner Gattinnen und Geliebten. (...)

Konermann und der aus Chur stammende Ko-Autor Felix Benesch beschränken sich aber nicht auf die humoristischen Aspekte der Lebensbeichte des real existierenden einstigen Schwindlers Hanspeter Streit, sie zeigen auch die traurigen Seiten dieser Biografie, etwa die gescheiterten Beziehungen.

Das Zurich Film Festival hat den cleveren Streifen, der am 10. Dezember in die Deutschschweizer Kinos kommt, mit einer grossen Premierenfeier lanciert. Der Applaus am Mittwoch belegte, dass hier ein Schweizer Film mit etlichem Kassenpotenzial vor dem Kinostart steht.

Neben dem sorgfältig präsentierten Zeitkolorit und der aktuellen Brisanz sprechen auch die Schauspieler-Leistungen für Konermanns Werk. Insbesondere Hauptdarsteller Roeland Wiesnekker wurde bei der Premiere kräftig gefeiert. «Der Fürsorger» ist ausserdem der letzte Film des im Januar verstorbenen Luxemburger Schauspielers Van Werveke.

Serge Kuhn, Bündner Tagblatt

 

Die angenehmste Überraschung am 5. Zurich Film Festival war das erfrischend unterhaltsame Schweizer Drama «Der Fürsorger», das am Mittwoch im Deutschsprachigem Spielfilmwettbewerb seine Weltpremiere feierte. Regisseur Lutz Konermann erzählt darin von einem charmanten Betrüger, der von Roeland Wiesnekker («Strähl», «Auf der Strecke») mitreissend verkörpert wird. Die schwungvoll inszenierte Lügengeschichte hat das Potenzial zum Publikumshit.

Lutz Konermann erzählt die Geschichte von «Der Fürsorger» schnörkellos mit einem sicheren Auge für die idyllischen Landschaften und die malerische Architektur der Ortschaften. Es gelingt ihm auch, ein lockeres Gleichgewicht zwischen Tragik und Humor herzustellen.

Roeland Wiesnekker spielt den Betrüger als unwiderstehlichen Charmeur und Schlawiner. Seine Ausstrahlung entfaltet nicht nur auf einfältige Mitbürger ihre Wirkung, sondern auch auf das weibliche Geschlecht und das Publikum. Wiesnekker steht im Zentrum, erhält aber tatkräftige Unterstützung von einem illustren Ensemble, das zahlreiche vertraute Gesichter versammelt. Katharina Wackernagel, Johanna Bantzer, Claude De Demo und Andrea Guyer glänzen als weibliche Verehrerinnen. Leonardo Nigro sorgt in der Rolle des Komplizen Giorgio für Lacher.

Fazit: «Der Fürsorger» ist ein ebenso kurzweiliges wie aufschlussreiches Drama, das mit viel Herz und Humor begeistert.

(Bewertung: 5 von 6)

filmsprung.ch

 


"Die Lüge ist nichts anderes als die ausser Kontrolle geratene Vorstellung von Wahrheit." Dieser Satz, der am Anfang eines kubanischen Schelmenstücks steht, hat auch seine Gültigkeit für Lutz Konermanns komödiantisches Glanzstück. Lebensläufe von Zeitgenossen, die alles ein bisschen leichter und die Gutgläubigkeit ihres Umfeldes zum Mass aller Dinge nehmen, sind ein universelles Phänomen. Doch im Schweizer Film waren sie bis anhin kaum präsent - und so betritt Regisseur Lutz Konermann ein selten genutztes Terrain.

Bereits 1994 erschienen die Erinnerungen des Hochstaplers Hans-Peter Streit unter dem Titel "Ich, der Millionenbetrüger 'Dr. Alder'" in Buchform; der Journalist Philipp Probst hatte Streits Aufzeichnungen, der damals noch im Gefängnis sass, in eine ansprechende Form gebracht. Dass der Film nun einen gänzlich anderen Titel aufweist, ist nur folgerichtig: "Der Fürsorger" ist keine Verfilmung von Trivialliteratur, sondern eine rasante Komödie, die sich von Streits Aufzeichnungen inspirieren liess.

Das zum Schimpfwort verkommene Etikett "nach einer wahren Geschichte" soll nicht abschrecken. "Der Fürsorger" ist zuallererst ein charmantes Actors Movie,
Roeland Wiesnekker hat - ein halbes Jahrzehnt nach "Strähl" - endlich wieder einen glanzvollen Part, und zwar einen, bei dem er dank seiner Verwandlungskunst noch mehr über sich hinauswächst. Es ist ein allzu passendes Detail, dass Johanna Banzer, die in "Strähl" Wiesnekkers weibliches Gegenstück war, als eine der zahlreichen Partnerinnen des Herzensbrechers Stalder - wie Streit im Film heisst - erstmals wieder gemeinsam mit ihm vor der Kamera steht.

Die Epoche, in der Männer sich Dauerwellen verpassen und Schnurrbärte wachsen liessen, um bei der Damenwelt zu punkten, wird hier so liebevoll wie augenzwinkernd heraufbeschworen. In rasanten Wechseln von Schauplätzen, Erzählperspektiven und Zeitebenen ist "Der Fürsorger" eine vergnügliche Zeitreise. Es war eine Zeit, als Betrüger sich noch mit einstelligen Millionenbeträgen begnügten, und es in der Schweiz noch in jedem Dorf die Niederlassung einer Grossbank gab, und der "Blick" noch das unumschränkte Zentralorgan der schweigenden Mehrheit und des gesunden Volksempfindens war. Es war - bei aller Biederkeit - eine schöne Zeit, denn alles war noch so überschaubar wie die Welt dieses Betrügers mit dem treuherzigen Hundeblick.

Geri Krebs, cineman.ch

Er war der unverfrorenste Hochstapler der Schweiz: Hanspeter Streit. Nun wurde seine Lebensgeschichte in ''Der Fürsorger'' verfilmt. Eine bunte Komödie mit realem Hintergrund, vorgestellt vom Capital FM-Filmexperten Philipp Sommerhalder:

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