Adolf Grimme Preise 1997 für "Eine fast perfekte
Liebe"
Der Preis
Im Jahre 1961 vom Deutschen Volkshochschul-Verband als Fernsehwettbewerb gestiftet und seit 1978 vom Adolf Grimme Institut jährlich in Marl vergeben. Der Adolf Grimme Preis gilt als renomierteste Auszeichnung für Fernsehschaffen in Deutschland.
Die Jury:
"Was würde im richtigen Leben passieren, wenn sich jemand in einem Supermarkt den Finger verstaucht? Der Erste-Hilfe-Kasten würde herbeigeholt, vielleicht ein Arzt gerufen. Das wär's. Bestimmt aber käme niemand auf die Idee, mit zwei tiefgefrorenen Pommes frites und einem Isolierband den verstauchten Finger ruhigzustellen. Sowas kann nur in einer Komödie passieren. Und solch verblüffende Einfälle zeichnen diese rundum gelungene Liebeskomödie aus.
Thomas Kirdorf hat sie geschrieben und damit erneut bewiesen, daß er zu den großen Talenten des deutschen Fernsehens zählt. Denn es gehört allerhand dazu, dem uralten Thema, ob sie sich am Ende kriegen - und wie -, immer noch neue, witzige und überraschende Wendungen abzugewinnen. Natürlich kriegen sich auch die Kaufhausdetektivin Mieke (Inge Busch) und der arbeitslose Mediziner Jens (Andreas Herder). Aber bis es soweit kommt, ist aus einer harmlosen Schwindelei am Anfang eine Fülle von betrügerischen Mißverständnissen geworden - eines ergibt sich, raffiniert ersonnen, aus dem anderen; eine verpaßte Gelegenheit zum Geständnis gebiert die nächste, und selbst am Ende, wenn alles sich in Wohlgefallen auflöst, sind die zwei Liebenden räumlich denkbar weit voneinander entfernt.
Doch auch die schönsten komödiantischen Ideen können nur zünden, wenn sie ein Regisseur mit Sinn für Tempo, Situationskomik und der nötigen Balance zwischen Witz und Rührung inszeniert. Lutz Konermann ist das kongenial gelungen. Er führt die Figuren mit leichter Hand durch die Komödie, gibt ihnen den Spielraum, den eine Romanze braucht, und läßt dennoch die Grundstimmung des Komödiantischen nie außer acht. Der "Screwball"-Touch, im Drehbuch angelegt, entfaltet sich unter den Händen des Regisseurs zu feinster, im besten Sinne unbeschwerter Unterhaltung. Daß Fernsehen besser sein kann, eigenwilliger als der große Bruder Film mit seinen neudeutschen Beziehungskungeleien - hier ist der Beweis mit schöner Lässigkeit erbracht.
Das große Kapital dieser Komödie aber ist Inga Busch als Mieke. Sie hat mehr als komödiantisches Talent - sie hat das Charisma, das eine Komödiantin braucht, um ihre Rolle mit sämtlichen Facetten glaubwürdig auszustatten: naive Impulsivität, sehnsüchtige Romantik, Leidenschaft, Lebenslust, Verletzbarkeit, Dickköpfigkeit und hinreißend sicheres Gespür für Komik. Mit Inga Buschs vitaler Ausdruckskraft hat diese Komödie im wahrsten Sinne des Wortes ihr Herz gezeigt."
Ein Adolf Grimme Preis geht an
Lutz Konermann
(Regie)
Inga Busch
(Hauptdarstellung)
(Aus: agenda spezial / März - April
1997)
"Eine fast perfekte
Liebe" - Daten zum Film