Max Ophüls Preis, Saarbrücken 1986



Die Auszeichnungen

Den höchstdotierten Förderpreis vergab die Jury, bestehend aus dem Vorjahressieger, Christian Berger, sowie den Filmemachern Dominik Graf, Adolf Winkelmann und den Kritikern Martin Schaub und Doris M. Trauth, "für den schönsten Liebesfilm des Festivals und für Lutz Konermanns Liebe zum Kino" an "Schwarz und ohne Zucker".

Die INTERFILM-Jury (Michael Beckert, George Gund, Ronald Holloway, Dorothea Moritz und Stefan Swoboda) sprach eine besondere Empfehlung aus: "Dieses ungewöhnliche Road-Movie verknüpft anscheinend mühelos eine zärtlich-heitere Liebesgeschichte mit dem Aufeinandertreffen zweier europäischer Kulturen, der nordländischen und der mediterranen. Reisebericht und Beziehungskiste gehen hier eine ebenso poetische wie witzige, in jeder Hinsicht gelungene Verbindung ein. Hinzu kommt der nahezu perfekte Umgang mit Scope-Format, Licht und Schwarz-Weiß-Dramaturgie. Formal ist Lutz Konermanns Arbeit fur die INTERFILM-Jury der schönste Film des Festivals."

 
Die Festivalpresse

"One of the highlights of the Saarbrücken fest and a prizewinner there, Lutz Konermann's "Black And Without Sugar" impressed for its widescreen, black-and-white images. (...) It's a road movie, a loose tale of a couple coming together, parting, and coming together again on a narrative journey following the routes of one or the other from Iceland to Sicily. Both thesps, Lutz Konermann and Edda Backman, make for an ideally amusing couple from the start. (...) "Black And Without Sugar" is full of observations and tongue-in-cheek twists. It also scores on camera and direction."
Ron Holloway / Variety

"Pures Kino ist Lutz Konermann mit "Schwarz und ohne Zucker'' gelungen. Auf Schwarzweiß-Cinemascope gehört das Road-Movie aus Italien um den Deutschen Hermann, der sich in Edda, die isländische Schauspielerin, verliebt zu den schönsten Festival-Erlebnissen.''
Sigmund Grewenig / Kölner Stadtanzeiger

"Grenzen sind in Lutz Konermanns Film "Schwarz und ohne Zucker'' keine großen Hindernisse. Von Island bis nach Sizilien geht die Reise, auf der auch die Kinozuschauer auf ihre Kosten kommen. Eine Liebesgeschichte, ein Road-Movie (...) mitreißend, vergnüglich, mit stimmungsvollen Schwarzweiß-Aufnahmen und viel Witz treffend in Szene gesetzt: Ein grenzenloses Vergnügen und viel Beifall für den Regisseur und seinen Kameramann Tom Fährmann."
Thomas Reinhardt / Saarbrücker Zeitung

"Lutz Konermann de Munich donne avec "Schwarz und ohne Zucker" une nouvelle variante fort drole et tendre du "road movie" en cinemascope et noir et blanc. Ce voyage initiatique qui va de l'Islande a la Sicile est traite avec dynamisme et une profonde justesse de ton et frappe par sa construction remarquable qui manie l'ellipse avec un doigte prometteur. Un film seduisant, tres bien interprete, ou aucun plan n'est superflu."
Roland Schneider / Dernieres nouvelles d'Alsace

"Schwarz und ohne Zucker", zurecht mit einem Förderpreis ausgezeichnet, ist auch ein Beispiel für ein anderes, ehrliches Erzählkino, das sich noch für Stil statt Styling, für Atmosphäre statt Ausstattung, für Rhythmus statt Schnelligkeit, für Figuren statt Typen und für eine Geschichte statt Effekten interessiert - schlicht fur ein Kino, das sich seiner Mittel und Möglichkeiten bewußt ist."
Harald Pauli / Münchner Stadtzeitung

"Ein paar wenige Einzelgänger versuchen noch immer den vollkommen aufrechten Gang. Die große Liebe zum Kino bewegt sie und läßt sie allergrößte Risiken eingehen. Stellvertretend fur einige andere sei ein einziger Film genannt: "Schwarz und ohne Zucker" von Lutz Konermann (...) eine echte Überraschung, ein Film mit viel Luft und Atmosphäre, ein Film "ohne Netz''.''
Martin Schaub / Züricher Tages-Anzeiger

"Der für mich schönste Film des Wettbewerbs: Lutz Konermanns "Schwarz und ohne Zucker'', ein Road-Movie, eine wunderschöne Liebesgeschichte.''
Joachim P. Gross / Vorwärts

"Vermutlich ist es nicht nur die Überschätzung der eigenen erzählerischen Kapazitäten, die die gelackten Filmchen zu vieler deutscher Nachwuchs-Regisseure auf die Dauer so langweilig macht. Die frühe Einübung in die vermeintlich über alles entscheidende handwerkliche Perfektion ist dafür kaum weniger verantwortlich. Dahinter läßt sich Einfallslosigkeit verstecken, und bei der Variation bewährter Motive bietet sich auch das Kopieren von Stilmitteln an. Das verhindert jede Spontaneität und verbaut früh den Weg zu einer eigenen Handschrift. Schon deswegen gehört Lutz Konermanns Schwarz und ohne Zucker zu den wohltuenden Ausnahmen - auch wenn (oder: weil) er in seiner Mischung aus Erzählfreude, Spontaneität und Sprödigkeit eher an die "Jungfilmer" der sechziger Jahre erinnert.

Ein Autobus rumpelt widerwillig über eine bergige Straße. Man braucht nur auf die nasse, ungemütliche Landschaft zu sehen, um zu wissen, weshalb sich die isländische Schauspielertruppe zu einer Italien-Tournee entschließt. Weniger klar ist die Motivation von Hermann, der mit seinem klapprigen Pkw Deutschland ebenfalls in Richtung Italien verläßt. Er möchte mal ein bißchen allein sein, sagt er seiner Freundin noch schnell am Telefon; aber den Grund dafür muß er wohl selbst herausfinden.

Edda, Schauspielerin aus Island, und Hermann, Fotograf aus der Bundesrepublik, sehen sich zum erstenmal in Italien. Da regnet es immer noch. Ihre Bewegungen sind zögernd, wenn sie sich näherkommen. Edda hat im Streit ihre Truppe vorlassen, Hermann liest sie eher unfreiwillig auf. Als er einen Marmorbruch fotografiert, weil ihn die Verwandlung der freien Form der Natur in die Künstlichkeit der abgebauten Quader fasziniert, reagiert Edda gelangweilt. Liebe auf den ersten Blick sieht anders aus.

Dann aber liegen sich die beiden plötzlich doch in den Armen, ohne Pathos, ohne große Erklärungen, und doch ist es ihnen ernst damit. Irgendwann ist das Mädchen wieder verschwunden, zurückgekehrt zu den Kollegen, doch der Junge findet Edda wieder und schließt sich an. Schwarz und ohne Zucker beschreibt auch den Weg eines Einzelgängers in einer Gruppe. Edda, das klingt nach altisländischem Heldenlied, Hermann hieß der berühmte Cherusker vom Teutoburger Wald. Konermanns Figuren sind nordische Vaganten, ihr Blick prägt die Bilder von Italien, in denen sich weder südliche Heiterkeit durchsetzt noch der Blick von Touristen. Konermann hat seinen Film in einem sehr spröden Schwarzweiß gedreht, aber im breiten Cinemascope-Format, mit sicherem Gespür für Landschaften und deren emotionale Qualitäten. Das ist gänzlich frei von folkloristischen Tönen und gleicht mitunter eher den Italien-Bildern des frühen Antonioni.

Nur hat Konermann andere Intentionen, nämlich das Road Movie. Die Bewegungen seiner Figuren sind fortlaufende Linien, die sich berühren, sich voneinander entfernen, bis am Ende alle Linien zusammenführen. Zwei merkwürdige Typen, die als running gag durch den Film geistern (vielleicht nicht die beste Erfindung des Regisseurs), verweisen auf ein anderes, im Hintergrund stehendes Geschehen. Und so endet die Geschichte wie jene von Eichendorffs Taugenichts. Vieles von dem, was wie Zufall ausgeschen hat, wird am Schluß als Intrige ausgewiesen, die Spontaneität der Figuren war von außen gelenkt."
H.G.Pflaum / Süddeutsche Zeitung

"Breitwand und Schwarzweiß sind für Lutz Konermann ästhetische Mittel, die unmittelbar helfen, Kinogeschichten zu erzählen. Der gebürtige Rheinländer und Italienkenner läßt die Geschichte seines Films in Island beginnen, am Krater eines Vulkans, keine zehn Kilometer vom Meer entfernt. Von diesem Ort, wo die Elemente Wasser, Erde, Feuer und Wind so nah zusammenliegen, bricht eine Schauspielgruppe auf zur mythischen Reise in den Süden, nach Sizilien. Auch Jules Vernes "Reise zum Mittelpunkt der Erde" nahm an jenem Krater ihren Anfang und endete am Ätna. Und während die Isländerin Edda mit Gio, Kolla und den anderen unterwegs ist, bricht der Deutsche Hermann seine Zelte in München ab, lädt seine Plattenkamera ins Auto und begibt sich auf Goethes Spuren nach Italien.

Edda trennt sich von Gio, Hermann verliebt sich in Edda. Konermann führt seine Figuren behutsam zusammen, gibt ihnen Zeit, glaubhafte Gefühle zu entwickeln. Endlich liegen die beiden am Strand und küssen sich, werden von Wellen umspült - und dieses alte Bild, dieses Zitat aus tausend Filmen, ist dank Konermanns überlegter Bildregie nicht im mindesten kitschig. In seiner unaufdringlichen, leisen Art macht der Film klar, daß Edda und Hermann nicht zusammenbleiben können. Sie trennen sich und treffen doch am (vorläufigen) Ziel der Reise wieder aufeinander. So war es ihnen bestimmt von einem Schicksal, das Konermann ironisch personifiziert.

Wer genau beobachtet, kann die "Handlanger der Weltordnung" mehrmals sehen. Sie tauchen auf als Kellner, Penner, Angler; sie sind allgegenwärtig in diesem modernen Mythos, der wie James Joyces "Ulysses" dauernd zum Spekulieren und Vergleichen, zum Interpretieren und Verweisen anregt. "Schwarz und ohne Zucker" ist einer der komplexesten und künstlerischsten Filme dieses Festivals. Trotzdem ist er nie akademisch."
Esslinger Zeitung



"Schwarz und ohne Zucker" - Daten zum Film