Prädikat "Besonders wertvoll" für den Film "Aufdermauer"



Aus dem Gutachten der Filmbewertungsstelle, Wiesbaden:

Ein Spielfim mit dokumentarischem Hintergrund; Versuch, der menschlichen Persönlichkeit eines Strafgefangenen verstehend gerecht zu werden, andere durch das Medium des Films zu Verstehenden zu machen und dadurch ein "Gnadengesuch" für den Häftling, ein Plädoyer für seine Resozialisierung zu sein. Das war der Anspruch des Regisseurs Lutz Konermann. Er hat diesen Anspruch mit filmischen Mitteln auf einem für eine Abschlußarbeit ungewöhnlich hohen Niveau eingelöst.

Das Thema des Films erschien dem Bewertungsausschuß wichtig, aktuell und menschlich bedeutend. Die dramaturgische und filmische Durchführung der Handlung beweist erstaunliches handwerkliches Können. Der Film hat Spannung von Anfang bis zum Ende. Die Vorgeschichte ist in wohltuend knappen, treffsicher gestalteten Episoden exponiert. An Bildern in der Zelle, am winzigen Ausblick in die Außenwelt wird der Ablauf der Haftzeit dingfest gemacht. Die zentralen Erfahrungen in der Freiheit dann rücken "Errungenschaften" und Fragwürdigkeiten unserer täglichen Umwelt ins Bild, werden "nebenbei" zum Zeitporträt bundesrepublikanischer Überfluß-Wirklichkeit. Das ist genau pointiert, kritisch ohne erhobenen Zeigefinger, in manchen Details auch voll hintergründigen Humors.

Die Frage nach Norm und Außenseiter, nach Graden der Delikte wird auf verschiedenen Ebenen immer wieder neu und anders gestellt. Der Film besticht durch diese konstruktive Verknüpfung der Motive, die ein hohes Maß an Kunstverstand beweist. Nichts erscheint hier beliebig. Der Regisseur hat die Fähigkeit, in signifikanten Bildfindungen Alltagsrealität und Charaktere zu differenzieren, Figuren durch Begegnungen und Konfrontationen zu entwickeln und dabei oft genau gewählte Details sinnfällig für das Ganze sprechen zu lassen. Die Schauspieler sind gut geführt. Kameraarbeit, Bildfindung, Fotografie und Schnitt überzeugen.

Die Übereinstimmung von Inhalt und Form, von Thematik und Bildfindung ist so gelungen, daß das konkret angesprochene Einzelschicksal weitläufiger übertragbar wird, sich also zur Parabel verdichtet. Das Scheitern des Versuchs mit der Freiheit, die Problematik auch der versuchten Kommunikationen wirft Fragen auf, die den Betrachter nachdenklich entlassen. Nachdenklich auch der Wirklichkeit gegenüber, die uns täglich umgibt, und die uns allzu selbstverständlich zuhanden ist. Sie kann unmenschliche Aspekte haben.

Die hohen Qualitäten dieses Films ließen die Mehrheit des Bewertungsausschusses für das höchste Prädikat plädieren.



"Aufdermauer" - Daten zum Film