Interview aus tele



Meili zum Lachen

Jetzt kommen Christoph Meili und das Nazigold auch im Kino. Der 39jährige Regisseur Lutz Konermann verrät im TELE-lnterview mehr über sein Projekt.

TELE: Herr Konermann, wieso wollen Sie ausgerechnet einen satirischen Film zum Thema Nazigold drehen?

Konermann: Als die Thematik um das Schweizer Nazigold begann, durch den Blätterwald zu rauschen, hat der Münchner Produzent und mein Freund Hermann Kirchmann die Meldungen gesammelt. Er sah darin einen Stoff, der für beide betroffenen Länder, Deutschland und die Schweiz, ein interessiertes Publikum hat. Dann kam auch noch Christoph Meili ins Spiel, und die ganze Geschichte nahm bizarre Züge an, wie er vom Umfeld publizistisch benutzt wurde.

TELE: Meili als Lachnummer - ist das Thema für Sie so lustig?

Konermann: Zuerst wollten wir den Film melodramatisch anlegen, doch dann legten uns die Reaktionen auf die Figur des Christoph Meili ein anderes Genre nahe. Schauen Sie sich Filme wie den "Grossen Diktator" von Chaplin oder "To Be or not to Be" von Lubitsch an - diese Parodien wurden während des Dritten Reiches gedreht, zu einer Zeit, als nun wirklich niemand über Hitler lachte. Die Satire ist eben bei den ernstesten Themen häufig die angemessenste Form der künstlerischen Verarbeitung.

TELE: Sie leben seit sieben Jahren in der Schweiz, sind aber Deutscher. Glauben Sie im Ernst, dass die Schweizer den nötigen Humor haben, um über dieses brisante Thema zu lachen ?

Konermann: Da fehlt mir die Erfahrung. Aber die "Schweizermacher" waren ja auch ein grosser Erfolg. Es ist mir jedoch klar, dass man sich mit einem solchen Stoff ganz gehörig in die Nesseln setzen kann.

TELE: Warum tun Sie's dann?

Konermann: Vielleicht habe ich als Deutscher ausreichend Distanz zu dem Thema, um das Risiko einzugehen. Eine Distanz, die viele Schweizer Kollegen zumindest im Moment nicht haben.

TELE: Meinen Sie, die Schweizer lassen sich von einem Deutschen verulken?

Konermann: Unsele Satire richtet sich nicht gegen die Schweizer, sondern gegen diejenigen, die Macht missbrauchen und Dreck am Stecken haben.

TELE: In welchem Stadium ist Ihr Projekt denn jetzt?

Konermann: Im frühen Vorstadium. Wir suchen sowohl Autoren als auch Koproduzenten und Geldgeber. Natürlich auch in der Schweiz. Unter anderem hat Uli Limmer, der Co-Autor von "Schtonk" sein Interesse als Autor angemeldet. Das Budget des Films soll etwa fünf Millionen Franken betragen.

TELE: Und dann? Wann wird denn Ihr Film in die Schweizer Kinos kommen ?

Konermann: Im Idealfall können wir mit den Dreharbeiten im nächsten Sommer beginnen. Dann kann er also frühestens Ende 1998 in den Kinos laufen.

TELE: Glauben Sie nicht, dass viele potentielle Schweizer Geldgeber Angst haben, sich mit diesem Stoff die Finger zu verbrennen oder ihr Image zu beschädigen?

Konermann: Nein. Denn wir präsentieren ein Script, in dem weder die Schweiz noch sämtliche Schweizer negativ dargestellt werden. Und wir wollen auch Meili nicht desavouieren, sondern nur die Leute, die womöglich im Hintergrund die Drähte ziehen, um Meili zu benutzen.

TELE: Wer soll eigentlich im Film die Rolle des Christoph Meili spielen?

Konermann: Das hängt davon ab, ob Meili im Drehbuch eine Neben- oder eine Hauptrolle spielen wird. Wäre es eine Hauptrolle, könnte ich mir durchaus den Schweizer Schauspieler Stefan Kurt als Christoph Meili vorstellen.

TELE: Welche Meinung haben Sie persönlich eigentlich zum Thema Nazigold?

Konermann: Das alles ist ja nicht zu meinen Lebzeiten passiert, mein Vater war zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gerade acht Jahre alt. Trotzdem möchte ich nicht von der Gnade der späten Geburt reden. Es gehört zu meiner Geschichte. Und solange diese ganze Sache ungeklärt ist, ist das wie eine Leiche im Keller. Und da möchte ich mit diesem Film aufräumen helfen.

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